Levadas sind das Herz des Wanderns auf Madeira. Diese schmalen Wasserkanäle durchziehen die ganze Insel und begleiten heute traumhafte Wanderwege – fast eben, oft durch dichten Lorbeerwald, vorbei an Wasserfällen. Wir zeigen dir die schönsten Touren und wie du mit dem Auto entspannt hinkommst.
Kurz zur Erklärung, damit du weißt, worauf du dich freust: Levadas sind künstliche Bewässerungskanäle, die über Jahrhunderte gebaut wurden, um Wasser vom regenreichen Norden in den trockeneren Süden zu bringen. Neben den Kanälen verlaufen Wartungspfade – und genau die sind heute die berühmten Wanderwege. Weil das Wasser nur leicht bergab fließen darf, sind viele Levada-Wege angenehm flach. Perfekt also auch für Familien und Gelegenheitswanderer. Aber lass dich nicht täuschen: Manche Wege führen an steilen Abgründen entlang und erfordern Schwindelfreiheit. Es ist also für jeden Geschmack und jedes Fitnesslevel etwas dabei. In diesem Guide nehmen wir dich mit auf eine Reise zu den spektakulärsten Wasserwegen der Insel und verraten dir, wie du das Beste aus deinem Wanderurlaub herausholst.
Die Faszination der Levadas: Warum du sie lieben wirst
Stell dir vor, du läufst auf einem schmalen Pfad, links von dir plätschert leise das Wasser in einem kleinen Kanal, und rechts fällt der Berg steil ab in ein tiefgrünes Tal. Über dir wölbt sich das dichte Blätterdach des Laurisilva, des uralten Lorbeerwaldes, der zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört. Die Luft ist feucht, kühl und riecht nach Erde und Eukalyptus. Genau das ist das Levada-Gefühl. Es ist eine völlig andere Art des Wanderns, als du sie vielleicht aus den Alpen kennst. Hier geht es nicht immer darum, mühsam Höhenmeter zu schrubben, sondern oft darum, fast meditativ dem Lauf des Wassers zu folgen und die üppige Natur in sich aufzusaugen.
Das Geniale an den Levadas ist ihre Vielfalt. Manche führen durch offenes Gelände mit weiten Blicken über den Atlantik, andere schlängeln sich tief in mystische Schluchten hinein, wo das Sonnenlicht nur spärlich durch die Bäume bricht. Und dann sind da noch die Tunnel! Viele Levadas wurden mühsam durch den Fels geschlagen, um das Wasser auf die andere Seite eines Berges zu leiten. Wenn du durch diese dunklen, feuchten Röhren läufst, fühlst du dich ein bisschen wie ein Entdecker. Es ist ein Abenteuer, das du so nirgendwo anders in Europa findest.
Die beliebtesten Levada-Wanderungen im Überblick
Es gibt über 2000 Kilometer Levadas auf Madeira. Wir haben die bekanntesten und lohnendsten Touren zusammengestellt – von der leichten Familienrunde bis zur anspruchsvollen Höhenwanderung. Damit du einen schnellen Überblick bekommst, haben wir die wichtigsten Daten in einer Tabelle zusammengefasst. So kannst du direkt sehen, welche Tour am besten zu deinen Plänen passt.
| Tour | Länge | Schwierigkeit | Highlight |
|---|---|---|---|
| Levada do Caldeirão Verde | ca. 13 km | Mittel | Wasserfall, Tunnel |
| Levada das 25 Fontes | ca. 11 km | Mittel | Quellen, Wasserfall |
| Levada do Rei | ca. 10 km | Leicht–mittel | Lorbeerwald |
| Levada do Alecrim | ca. 7 km | Leicht | Wasserfälle, Badegumpen |
| Levada dos Balcões | ca. 3 km | Sehr leicht | Aussichtspunkt, Vögel |
| Pico do Arieiro – Pico Ruivo | ca. 7 km | Schwer | Gipfelpanorama |
| Ponta de São Lourenço | ca. 8 km | Mittel | Küste, keine Levada |
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Die absoluten Klassiker: Diese Touren musst du gemacht haben
Wenn du das erste Mal auf Madeira bist, gibt es ein paar Levada-Wanderungen, die quasi zum Pflichtprogramm gehören. Sie sind zwar oft gut besucht, aber das hat auch seinen Grund: Sie sind einfach atemberaubend schön. Hier stellen wir dir die absoluten Highlights vor, die du dir nicht entgehen lassen solltest.
Levada do Caldeirão Verde – der märchenhafte Klassiker
Diese Tour startet im Parque das Queimadas nahe Santana und führt durch dichten, märchenhaften Lorbeerwald. Der Weg ist fast durchgehend flach, aber teilweise recht schmal und an einigen Stellen geht es neben dir steil bergab. Keine Sorge, die heiklen Passagen sind gut mit Drahtseilen gesichert. Unterwegs geht es durch mehrere Tunnel – Stirnlampe nicht vergessen! Am Ende wartet ein hoher Wasserfall, der in ein grünes Becken stürzt, der sogenannte 'Grüne Kessel'. Ein absolutes Highlight, aber gut besucht. Tipp: Starte hier wirklich früh am Morgen, um die Magie des Ortes in Ruhe genießen zu können.
Levada das 25 Fontes – die Wasserreiche
Im Westen bei Rabaçal liegt eine der beliebtesten Touren überhaupt. Sie führt zu einem See, in den aus vielen Quellen (den „25 Quellen“) Wasser rieselt. Die Anfahrt endet oben an einem Parkplatz, von dem aus teils ein Shuttle fährt. Der Weg hinab ins Tal ist geteert, aber steil. Die eigentliche Levada-Wanderung ist dann wieder angenehm flach, führt aber über viele Treppenstufen. Auch hier gilt: früh da sein lohnt sich, denn der Platz am Wasserfall am Ende der Tour ist begrenzt und füllt sich schnell mit anderen Wanderern.
Nimm immer eine Stirnlampe oder Taschenlampe mit. Viele Levada-Wege führen durch enge, dunkle Tunnel. Feste Schuhe und eine Regenjacke gehören ebenfalls in den Rucksack – im Lorbeerwald ist es oft feucht und das Wetter kann in den Bergen schnell umschlagen.
Geheimtipps und ruhigere Alternativen
Du hast keine Lust auf Menschenmassen und suchst eher die Einsamkeit der Natur? Kein Problem, Madeira hat genug Levadas, die weniger bekannt sind, aber mindestens genauso schön. Hier sind ein paar unserer persönlichen Favoriten, bei denen du oft stundenlang niemandem begegnest.
Levada do Rei – Königliche Ausblicke
Die Levada do Rei (Königslevada) im Norden der Insel bei São Jorge ist eine wunderbare Alternative zu den überlaufenen Klassikern. Sie führt tief in den unberührten Lorbeerwald hinein und bietet fantastische Ausblicke auf die umliegenden Täler. Das Besondere hier: An einer Stelle musst du direkt unter einem kleinen Wasserfall hindurchgehen. Eine Regenjacke ist hier also Gold wert! Die Tour ist relativ flach und gut ausgebaut, was sie auch für Familien mit älteren Kindern attraktiv macht.
Levada do Alecrim – Baden in den Bergen
Diese Tour startet ebenfalls in Rabaçal, ist aber oft weniger überlaufen als die 25 Fontes. Sie führt dich zu mehreren wunderschönen Wasserfällen und kleinen Seen (Gumpen), in denen du an heißen Tagen sogar baden kannst. Das Wasser ist allerdings erfrischend kühl! Der Weg ist abwechslungsreich, führt durch Heidekraut und bietet tolle Ausblicke über das Rabaçal-Tal. Eine perfekte Halbtagestour, die sich wunderbar mit einem Picknick in der Natur verbinden lässt.
Für die ganz Harten: Bergwanderungen abseits der Levadas
Auch wenn die Levadas das Markenzeichen Madeiras sind, hat die Insel noch mehr zu bieten. Wenn du schwindelfrei bist, eine gute Kondition hast und das alpine Gefühl suchst, dann solltest du dich an die Höhenwanderungen wagen. Hier tauschst du den sanften Wasserkanal gegen schroffe Felsen und steile Abgründe.
Pico do Arieiro nach Pico Ruivo – Die Königsetappe
Das ist keine Levada, sondern die spektakulärste Höhenwanderung der Insel. Vom Parkplatz am Pico do Arieiro geht es über Grate, unzählige Treppen und durch Felstunnel zum höchsten Punkt Madeiras, dem Pico Ruivo. Anstrengend, aber die Aussicht über das Wolkenmeer und die zerklüfteten Gipfel ist unvergleichlich. Du fühlst dich hier oben fast wie im Himalaya. Wichtig: Diese Tour solltest du nur bei gutem, stabilem Wetter angehen. Bei Nebel oder starkem Wind kann es hier oben ungemütlich und sogar gefährlich werden.
Ponta de São Lourenço – Die raue Ostküste
Ganz im Osten der Insel erwartet dich eine völlig andere Landschaft. Keine Bäume, kein Lorbeerwald, dafür karge, bunte Felsen, die steil in den tosenden Atlantik abfallen. Die Wanderung über die Halbinsel Ponta de São Lourenço ist ein ständiges Auf und Ab und bietet atemberaubende Küstenpanoramen. Da es hier keinen Schatten gibt, solltest du unbedingt an Sonnenschutz und ausreichend Wasser denken. Der Wind pfeift hier oft ordentlich, was im Sommer aber eine willkommene Abkülung ist.
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Praktische Tipps für deine Levada-Touren
Damit deine Wanderungen auf Madeira ein voller Erfolg werden, gibt es ein paar Dinge, die du beachten solltest. Die Natur hier ist wunderschön, aber sie erfordert auch Respekt und eine gute Vorbereitung. Hier sind unsere besten Tipps aus jahrelanger Madeira-Erfahrung.
Die richtige Ausrüstung
Vergiss die Flip-Flops! Auch wenn viele Levadas flach sind, läufst du oft über unebene, rutschige Steine oder matschige Pfade. Feste Wanderschuhe mit gutem Profil sind ein Muss. Eine leichte Regenjacke gehört ebenfalls immer in den Rucksack, denn das Wetter in den Bergen kann sich innerhalb von Minuten ändern. Und wie schon erwähnt: Eine Stirnlampe ist für die Tunnel unerlässlich. Das Handy-Licht reicht oft nicht aus und du brauchst die Hände frei, um dich an den feuchten Tunnelwänden abzustützen.
Wetter und Jahreszeiten
Madeira ist ein Ganzjahresziel, aber die Bedingungen für Wanderungen können variieren. Im Winter (Dezember bis Februar) kann es in den Bergen empfindlich kalt werden und es regnet häufiger. Dafür sind die Wasserfälle dann besonders beeindruckend. Im Sommer (Juni bis August) ist es wärmer und trockener, aber auch voller. Die beste Zeit für Wanderungen sind oft der Frühling und der Herbst, wenn die Temperaturen angenehm sind und die Natur in voller Blüte steht. Checke vor jeder Tour unbedingt den Wetterbericht und die Webcams in den Bergen.
Lade dir die App 'WalkMe Madeira' herunter. Sie bietet detaillierte Offline-Karten, aktuelle Informationen zu gesperrten Wegen und GPS-Tracking für fast alle Levada-Wanderungen der Insel.
Warum du zu den Levadas am besten mit dem Auto kommst
Die meisten Startpunkte liegen mitten in den Bergen, oft am Ende schmaler, kurviger Straßen. Mit dem öffentlichen Bus dauert es oft sehr lange, du musst umsteigen und bist an feste, oft seltene Abfahrtszeiten gebunden. Mit dem eigenen Auto kannst du morgens vor den Reisegruppen starten – was gerade bei den beliebten Touren wie den 25 Fontes oder dem Caldeirão Verde einen riesigen Unterschied macht. Du hast den Weg dann fast für dich allein und kannst die Stille der Natur genießen.
Außerdem kannst du bei einer Punkt-zu-Punkt-Wanderung flexibel planen. Du fährst zum Startpunkt, läufst die Levada entlang und nimmst für den Rückweg zum Auto einfach ein lokales Taxi. Das ist oft günstiger und stressfreier, als auf den nächsten Bus zu warten. Achte beim Parken darauf, den Wagen ordentlich abzustellen, niemanden zu blockieren und wertvolle Sachen nicht sichtbar im Auto liegen zu lassen. An beliebten Startpunkten füllen sich die Parkplätze schnell – auch das ein starkes Argument, früh loszufahren.
Fazit: Madeiras grüne Seele erwandern
Die Levadas sind das, was Madeira für Wanderer so einzigartig macht. Es ist diese unglaubliche Kombination aus Ingenieurskunst und wilder Natur. Wasser rauscht neben dir her, um dich herum dampft der Urwald, und plötzlich öffnet sich der Blick auf ein tiefes, grünes Tal. Ob leichte Familienrunde, abenteuerliche Tunneltour oder anspruchsvoller Gipfelweg – für jeden ist etwas dabei. Nimm dir Zeit, hetze nicht von Highlight zu Highlight, sondern genieße die Ruhe und die Schönheit der Landschaft. Mit dem eigenen Auto erreichst du die schönsten Startpunkte entspannt und zur richtigen Zeit. Pack die Wanderschuhe ein, Madeira wartet auf dich!
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