Die ehrliche Antwort vorweg: Madeira lohnt sich das ganze Jahr über. Die Insel wird nicht umsonst „Insel des ewigen Frühlings“ genannt. Trotzdem gibt es gewaltige Unterschiede – beim Wetter, bei den Preisen und bei dem, was du vor Ort erleben kannst. Während die einen im Sommer in den Naturpools baden wollen, suchen die anderen im Winter milde Temperaturen zum Wandern oder wollen das gigantische Silvesterfeuerwerk in Funchal sehen. Hier bekommst du die komplette und ungeschönte Übersicht, damit du deinen Trip genau richtig legst und keine bösen Überraschungen erlebst.
Bevor wir richtig tief ins Detail gehen, müssen wir kurz über die geografische Lage sprechen. Madeira liegt weit draußen im Atlantischen Ozean, ungefähr auf der Höhe der marokkanischen Küste bei Casablanca. Diese besondere Lage und der warme Golfstrom sorgen für unglaublich milde Temperaturen über das gesamte Jahr hinweg. Im tiefsten Winter wird es an der Küste selten kälter als 16 Grad, und im Hochsommer klettert das Thermometer selten über die 26-Grad-Marke. Das klingt auf dem Papier absolut perfekt – und das ist es meistens auch. Aber „milde Temperaturen“ bedeutet auf Madeira nicht, dass überall auf der Insel das gleiche Wetter herrscht.
Das berühmte Mikroklima der Insel spielt bei deiner Reiseplanung eine riesige Rolle. Während im Norden dicke Wolken hängen und es regnet, kannst du im Süden bei strahlendem Sonnenschein am Strand liegen. Genau deshalb predigen wir immer wieder: Du brauchst auf Madeira zwingend ein Auto, um dem guten Wetter buchstäblich hinterherzufahren. Wer nur in seinem Hotel in Funchal sitzt, verpasst das Beste.
Das Wichtigste zuerst: Wetter und Temperaturen im Jahresverlauf
Madeira kennt keine extremen Jahreszeiten, wie wir sie aus Mitteleuropa gewohnt sind. Der Temperaturunterschied zwischen dem kältesten Monat (Februar) und dem wärmsten Monat (August oder September) beträgt oft gerade mal acht bis zehn Grad. Was sich im Laufe des Jahres jedoch deutlich ändert, ist die Menge an Niederschlag, die Wassertemperatur des Atlantiks und natürlich die Anzahl der anderen Touristen auf der Insel.
Wer unbedingt im Meer baden möchte, sollte wissen: Der Atlantik braucht seine Zeit, um sich aufzuwärmen. Das Wasser ist von Juli bis Oktober am angenehmsten und erreicht dann bis zu 24 Grad. Im späten Winter und Frühjahr kühlt das Meer auf rund 18 Grad ab. Das ist für Hartgesottene immer noch machbar, aber für einen reinen Badeurlaub vielleicht etwas zu frisch. Dafür blüht die Insel in dieser Zeit in den verrücktesten Farben.
| Jahreszeit | Temperatur (Tag) | Charakter | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Frühling (März–Mai) | 18–22 °C | Blütenpracht und grüne Täler | Wandern, Fotografie und Roadtrips |
| Sommer (Juni–Sep) | 22–26 °C | Trocken, sonnig und warm | Baden, Familien und Walbeobachtung |
| Herbst (Okt–Nov) | 20–24 °C | Warmes Meer, weniger Trubel | Alles, bestes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| Winter (Dez–Feb) | 16–20 °C | Mild, gelegentlicher Regen | Städtetrips, Silvester und Ruhe |
Frühling (März bis Mai): Wenn die ganze Insel explodiert
Wenn du Madeira in seiner absolut schönsten, grünsten und lebendigsten Form erleben willst, dann musst du im Frühling kommen. Zwischen März und Mai erwacht die Natur aus ihrem ohnehin kurzen Winterschlaf und die Insel explodiert geradezu in einem Meer aus Farben. Überall an den Straßenrändern blühen violette Jacaranda-Bäume, blaue Hortensien, leuchtende Strelitzien und tausende andere exotische Pflanzen, die du sonst nur aus dem botanischen Garten kennst.
Ein absolutes Highlight in dieser Zeit ist das große Blumenfest, die sogenannte „Festa da Flor“, die meist Ende April oder Anfang Mai in der Hauptstadt Funchal stattfindet. Die ganze Stadt duftet nach Blumen, es gibt riesige Umzüge mit aufwendig geschmückten Wagen und die Straßen sind mit kunstvollen Blumenteppichen ausgelegt. Wenn du in dieser Zeit reist, solltest du deine Unterkunft und deinen Mietwagen allerdings rechtzeitig buchen, da das Fest Besucher aus der ganzen Welt anzieht.
Perfekte Bedingungen für Wanderer
Zum Wandern ist der Frühling schlichtweg ideal. Es ist tagsüber nicht zu heiß, sodass du auch anstrengende Steigungen gut bewältigen kannst. Gleichzeitig führen die berühmten Levadas (die historischen Bewässerungskanäle) nach den feuchteren Wintermonaten noch ordentlich Wasser. Das bedeutet, dass die Wasserfälle, die du auf vielen Touren passierst, besonders beeindruckend aussehen und nicht nur kleine Rinnsale sind.
Ein Mietwagen lohnt sich im Frühling ganz besonders. Viele der spektakulärsten Wanderungen, wie etwa die Tour zum Risco-Wasserfall oder die 25 Quellen (Levada das 25 Fontes), sind extrem beliebt. Wenn du flexibel bist, kannst du früh morgens zum Startpunkt fahren, bevor ab 10 Uhr die großen Reisebusse ihre Ladung an Touristen ausspucken. So hast du die magische Natur oft noch ganz für dich allein.
Im Frühling hängen morgens oft dichte Wolken in den Bergen, die sich erst gegen Mittag langsam auflösen. Plane Höhenwanderungen wie den anspruchsvollen Weg vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo also lieber für den späteren Vormittag – oder fahr ganz früh zum Sonnenaufgang hoch, wenn du über dem gigantischen Wolkenmeer stehen willst.
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Sommer (Juni bis September): Sonne, Baden und volle Straßen
Der Sommer ist auf Madeira die trockenste und sonnigste Zeit des Jahres. Wenn Baden, Relaxen und Strandtage ganz oben auf deiner Prioritätenliste stehen, bist du jetzt genau richtig. Das Wasser des Atlantiks hat sich auf angenehme 23 bis 24 Grad aufgewärmt. Die berühmten Naturschwimmbecken aus Vulkangestein in Porto Moniz und Seixal laden zum ausgiebigen Planschen ein, und an der Südküste rund um Ponta do Sol scheint fast ununterbrochen die Sonne.
Der große Nachteil dieser perfekten Bedingungen: Es ist absolute Hauptsaison. Da in ganz Europa Schulferien sind, ziehen die Preise für Flüge und Unterkünfte spürbar an. Die beliebten Küstenorte sind voll, Parkplätze an den bekannten Aussichtspunkten werden knapp und auf den Wanderwegen bist du definitiv nicht allein unterwegs. Wer im Sommer nach Madeira reist, braucht etwas mehr Geduld und sollte seine Tage gut planen.
Mietwagen und Verkehr im Sommer
Gerade in den Sommermonaten zahlt sich frühes Buchen extrem aus. Wer erst kurz vor der Reise nach einem Mietwagen sucht, zahlt oft das Doppelte oder findet bei den Vermietern nur noch große, teure SUVs. Dabei reicht ein kompakter Kleinwagen mit etwas mehr PS für Madeiras steile und enge Straßen ohnehin viel besser aus. Mit einem kleinen Auto findest du in den vollen Dörfern auch viel leichter eine Parklücke.
Ein weiterer Tipp für den Sommer: Meide die absolute Mittagshitze für anstrengende Touren. Auch wenn 26 Grad nicht nach Wüste klingen, brennt die Sonne auf Madeira durch die Nähe zum Äquator extrem stark. Nutze deinen Mietwagen, um in den heißen Stunden in die kühleren, schattigen Lorbeerwälder (Laurissilva) im Inselinneren zu flüchten. Dort ist es oft fünf bis acht Grad kühler als unten an der Küste.
Herbst (Oktober bis November): Der Geheimtipp fürs beste Preis-Leistungs-Verhältnis
Wenn du uns nach unserer ehrlichen Meinung fragst, ist der Herbst die am meisten unterschätzte Reisezeit für Madeira. Oktober und November sind noch wunderbar warm, das Meer ist vom langen Sommer noch richtig schön aufgewärmt, und trotzdem sind deutlich weniger Leute auf der Insel. Sobald die großen Sommerferien in Europa vorbei sind, leeren sich die Straßen und die Preise für Hotels und Mietwagen sinken spürbar.
Du bekommst im Herbst also fast noch Sommerwetter, zahlst aber deutlich weniger dafür. Natürlich kann es ab Ende Oktober vereinzelt mal regnen, aber hier kommt wieder das geniale Mikroklima ins Spiel. Wenn es im Norden in São Vicente regnet, fährst du einfach durch den Tunnel auf die Südseite nach Ribeira Brava, und die Chancen stehen extrem gut, dass du dort bei strahlendem Sonnenschein deinen Poncha (das lokale Kultgetränk) trinken kannst.
Weinlese und goldene Farben
Der Herbst ist auch die Zeit der Weinlese. Im September und Oktober findet das traditionelle Weinfest (Festa do Vinho) statt, bei dem der berühmte Madeirawein gefeiert wird. Überall auf der Insel kannst du bei der Ernte zuschauen oder an Verkostungen teilnehmen. Die Landschaft verändert sich langsam, das satte Grün des Frühlings weicht wärmeren, herbstlichen Tönen, was besonders Fotografen lieben werden.
Für Roadtrips ist der Herbst fantastisch. Die Straßen sind leerer, du kannst an den Miradouros (Aussichtspunkten) ganz entspannt anhalten und musst dich nicht mit Reisebussen um den besten Fotospot streiten. Achte bei der Mietwagenbuchung im Herbst darauf, dass die Scheibenwischer gut funktionieren – ein kurzer, heftiger Schauer ist immer mal drin, bevor die Sonne wieder rauskommt.
Winter (Dezember bis Februar): Mild, ruhig und ideal für Städtereisen
Madeira ist ein extrem beliebtes Winterreiseziel für alle, die dem grauen, nasskalten Wetter in Deutschland, Österreich oder der Schweiz entfliehen wollen. Mit Tagestemperaturen zwischen 16 und 20 Grad ist es angenehm mild. Du kannst im T-Shirt in der Sonne sitzen, brauchst abends aber definitiv einen Pullover oder eine leichte Jacke. Für ausgedehnte Städtebummel durch Funchal oder leichte Wanderungen an der Küste ist dieses Wetter absolut perfekt.
Der absolute Höhepunkt im Winter ist Silvester. Funchal veranstaltet ein gigantisches Feuerwerk über der gesamten Bucht, das sogar schon im Guinness-Buch der Rekorde als größtes Feuerwerk der Welt stand. Die ganze Stadt ist festlich beleuchtet, Kreuzfahrtschiffe liegen im Hafen und die Stimmung ist magisch. Wer das erleben will, muss allerdings sehr früh buchen – rund um den Jahreswechsel ist die Insel oft komplett ausgebucht und die Preise schnellen für ein paar Tage in die Höhe.
Surfen und raue Küsten im Winter
Während der Sommer eher ruhig ist, zeigt der Atlantik im Winter seine wilde Seite. Die Wellen an der Nord- und Westküste können gigantisch werden. Orte wie Jardim do Mar oder Paul do Mar verwandeln sich dann in Hotspots für erfahrene Surfer aus aller Welt. Auch wenn du selbst nicht surfst, ist es ein unglaubliches Erlebnis, mit dem Auto an die Küste zu fahren und den Profis bei den riesigen Brechern zuzuschauen.
Im Winter regnet es statistisch gesehen am häufigsten, vor allem an der Nordküste und in den höheren Lagen. Aber lass dich davon nicht abschrecken. Das Wetter ändert sich auf Madeira oft im Stundentakt. Ein regnerischer Morgen bedeutet nicht, dass der ganze Tag ins Wasser fällt.
Bleibt der Himmel im Norden grau und regnerisch, fahr einfach an die Südküste rund um Funchal, Ponta do Sol oder Caniço. Dort ist es durch den Schutz der Berge meist deutlich trockener und sonniger. Genau für diese spontanen Ortswechsel ist ein Mietwagen auf Madeira absolut Gold wert.
Die beste Reisezeit für deine Lieblingsaktivitäten
Vielleicht planst du deinen Urlaub gar nicht nach dem Kalender, sondern nach dem, was du auf Madeira unbedingt machen möchtest. Die Insel bietet so viele verschiedene Aktivitäten, dass sich je nach Fokus eine andere Reisezeit anbietet. Hier ist eine kurze Übersicht für die beliebtesten Vorhaben.
Wann ist die beste Zeit für Whale Watching?
Wale und Delfine kannst du vor der Küste Madeiras theoretisch das ganze Jahr über sehen, da einige Arten hier dauerhaft heimisch sind. Die absolute Hochsaison für Walbeobachtungen liegt jedoch zwischen April und Oktober. In dieser Zeit ziehen viele verschiedene Arten, darunter auch riesige Pottwale und Finnwale, auf ihren Wanderungen an der Insel vorbei. Das Meer ist in diesen Monaten zudem ruhiger, was die Bootsfahrt deutlich angenehmer macht.
Wann ist die beste Zeit für einen Roadtrip?
Ein Roadtrip über die Insel macht immer Spaß, aber die Monate Mai, Juni, September und Oktober sind dafür am besten geeignet. Die Tage sind lang genug, um viel zu sehen, die Straßen sind trocken und das Licht für Fotos ist fantastisch. Im Winter können einige Bergstraßen im Inselinneren (wie die Hochebene Paul da Serra) wegen Nebel, starkem Regen oder sogar leichtem Frost rutschig und ungemütlich zu fahren sein.
Im Sommer und an Silvester besser früh buchen
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Madeiras Mikroklima: Warum der Wetterbericht oft lügt
Ein ganz wichtiger Tipp für deine Reiseplanung: Vergiss die Standard-Wetter-Apps auf deinem Smartphone. Wenn du bei Apple oder Google nach dem Wetter für „Madeira“ suchst, bekommst du meistens die Daten für einen bestimmten Punkt in den Bergen oder für den Flughafen angezeigt. Das führt oft dazu, dass die App eine Woche lang Regen und Wolken vorhersagt, obwohl an der Küste bestes Strandwetter herrscht.
Die Insel wird durch eine massive Bergkette in der Mitte geteilt. Die Passatwinde drücken die Wolken meist von Norden gegen diese Berge, wo sie sich abregnen. Der Süden bleibt dadurch oft verschont. Die Einheimischen sprechen scherzhaft von der „Linha da Banana“ (Bananenlinie) – unterhalb von etwa 200 Metern Höhe an der Südküste wachsen Bananen, weil es dort fast immer warm und sonnig ist.
Wenn du morgens in deiner Unterkunft aufwachst und der Himmel grau ist, schau dir die öffentlichen Webcams der Insel an (z.B. auf der Seite NetMadeira). Dort siehst du live, wo gerade die Sonne scheint. Dann schnappst du dir einfach deinen Mietwagen und fährst genau dorthin. Das ist das wahre Geheimnis eines perfekten Madeira-Urlaubs.
Fazit: Es gibt keine falsche Zeit – nur die richtige für dich
Um die anfängliche Frage zu beantworten: Es gibt wirklich keine schlechte Reisezeit für Madeira. Willst du baden, in der Sonne liegen und stört dich etwas mehr Trubel nicht, dann komm im Sommer. Willst du wandern, die unglaubliche Blütenpracht sehen und angenehme Temperaturen genießen, ist der Frühling perfekt. Suchst du das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bei warmem Wasser, ist der Herbst dein bester Freund.
Und wer dem tristen Winter zu Hause entfliehen will, findet auf Madeira milde Tage, grüne Natur und ein spektakuläres Silvesterfest. Eines gilt jedoch völlig unabhängig vom Monat: Mit einem eigenen Mietwagen holst du das absolute Maximum aus jeder Reisezeit heraus. Du bist nicht auf seltene Busse angewiesen, kannst den Touristenmassen aus dem Weg gehen und dem legendären Mikroklima der Insel immer genau dorthin folgen, wo das Wetter gerade am besten ist.
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